Zur Schellenherstellung wurde Eisenblech
mit geringem Kohlenstoffgehalt - Schwarzblech genannt - verwendet.
Das Blech war unterschiedlich stark und entsprechend der gewünschten
Größe und Form der späteren Schelle wurde es
zugeschnitten und zum Nieten vorgelocht, anschließend
auf dem Sperrhorn, einem kleinen Amboss, in die richtige
Form geschmiedet und zusammengenietet. Später verlötete
oder verschweißte man auch die Glocken. Der sogenannte
Galgen, außen als Henkel und innen als Aufhängung
für den Klöppel dienend, wurde anschließend befestigt.
Hierauf wurde die Schelle mit Tischlerleim bestrichen und innen
und außen mit Messingspänen bestreut. Das Schelleninnere
wurde mit Sägespänen ausgefüllt. Anschließend
wurden die Schellen zusammen mit Flachsverarbeitungsrückständen
(im Dialekt »Schewen« - fallen beim Flachsschwingen an- und handaufbereitetem Lehm zu einem Kuchen geformt.
Eine flache »Holzschüssel« diente dabei als
Boden, darauf kamen die Flachsrückstände und der vorbereitete
Lehm als ausgemangelte Schicht. |
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L.
Kost beim Bestreuen der Schellen mit Messingspänen, 1941 |
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Christian
Rommel bei der Lehmkuchenfertigung, 1941 |
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Die Schellen wurden nun nebeneinander
im Kreis geschichtet, immer durch Lehm und Flachs getrennt.
Alle Zwischenräume, auch in der Mitte, wurden sorgfältig
ausgefüllt und anschließend alles von oben ebenfalls
mit Lehm verschlossen. Ein aufgelegtes Blech diente als Deckel.
Beim späteren Drehen wurde die Holzunterlage weggenommen.
Der fertige Kuchen kam nun in die Nähe des brennenden Lötfeuers
zum Trocknen. Er wurde öfters gedreht bis er genügend
Festigkeit besaß, um ohne Bleche in eine »Etage«
über dem Feuerloch geschoben zu werden.
Venters betrachteten die Zusammensetzung des verwendeten Lehms
als Betriebsgeheimnis, denn von der richtigen Mischung hing der
Erfolg im Lötfeuer ab.
Den fetten Lehm holten sie aus der Aue bei Schmalkalden von einem
Bauern und den mageren mit Erlaubnis des Försters aus einer
Lagerstätte im Glasbach. Dieser Lehm lagerte in aller
Ruhe ein Jahr im Keller, ehe er zum Kuchenbau im Verhältnis
1 : 3 verwendet wurde. |
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Direkt im Lötfeuer, es wurde früher
mit Holzkohle, dann mit Koks und Gebläse von unten und später
noch zusätzlich mit Ölheizung von oben betrieben, blieb
der Kuchen über eine Stunde. Er wurde dabei mehrmals
mit langen Eisenspießen, die zum ungefährdeten Anfassen
einen Holzstiel hatten, gewendet. Bei Temperaturen von
über 1000 °C schmolzen die Messingspäne an den
Schellen und die blauen Flämmchen, die aus dem Kuchen schlugen,
waren ein sicheres Zeichen dafür, dass die Schmelze
des anteiligen Zinks in vollem Gange war. Durch das wiederholte Wenden wurde garantiert, dass sich das Messing an der Innen-
und Außenseite der Schelle gleichmäßig verteilte.
Der Ofen für das Lötfeuer wurde öfters baulich
verändert und nach 1945 endgültig abgerissen. |
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